Das Zusammenspiel zwischen Blende, Belichtungszeit und ISO Wert – Fotogrundlagen (Teil 4)

Das Zusammenspiel zwischen Belichtungszeit, ISO Wert und Blende
Das Zusammenspiel zwischen Belichtungszeit, ISO Wert und Blende

Das Zusammenspiel zwischen Belichtungszeit, ISO Wert und Blende

Diese Artikelreihe besteht aus 4 Teilen: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4

Ich hoffe, dir raucht noch nicht der Kopf!

Wenn du dich durch die letzten drei Artikel gearbeitet hast und jetzt weißt, wie Belichtungszeit, Blende und ISO Wert dein Bild beeinflussen, ist es jetzt an der Zeit, noch einen Schritt weiter zu gehen.

Um wirklich sicher mit den Einstellungen zu werden und sie auch richtig einsetzen zu können, musst du natürlich wissen, wie sie zusammenspielen. Das werde ich dir in diesem Artikel erklären.

Lies dir diesen Artikel in Ruhe durch, vielleicht auch mehrmals. Und –

SEHR WICHTIG!!!

schnapp dir deine Kamera und fotografiere!

Theoretisches Wissen ist nichts wert, wenn du es nicht praktisch einsetzen kannst. Also nur Mut!

 

Was deine Kamera sieht

In deiner Kamera befindet sich ein Belichtungsmesser.

Dieser Belichtungsmesser remisst, wieviel Licht auf den Kamerasensor fällt.

Befindet sich die Kamera in einer Automatik, passt sie die Werte so an, dass im Durchschnitt der Helligkeitswerte ein mittelgraues Bild entsteht. Für deine Kamera ist die Welt mittelgrau und sie ist erst zufrieden, wenn das Bild mittelgrau ist.

Deinen Belichtungsmesser findest du übrigens im Sucher.

Er sieht so aus:

 

Hier habe ich ein paar Fotos für dich gemacht, die das Ganze noch einmal besser darstellen sollen. Ich habe eine weiße Wand in der Zeitautomatik fotografiert:

 

 

Unter den Fotos siehst du, wie ich den Belichtungsmesser jeweils eingestellt habe. In der Mitte siehst du das, nach der Meinung meiner Kamera, „perfekt“ belichtete Foto. Mittelgrau. So, wie sie es gerne hat. Bei Bild 1 habe ich den Belichtungsmesser um zwei Blendenstufen verringert, bei Bild 3 um zwei Blendenstufen erhöht.

 

In diesem Fall habe ich mit einer Automatik fotografiert.

Es gibt allerdings zwei Möglichkeiten, mit dem Belichtungsmesser zu arbeiten, die ich dir im nächsten Abschnitt beide etwas genauer erläutern möchte.

 

Die Automatiken und der manuelle Modus

Es gibt zwei Möglichkeiten den Belichtungsmesser zu benutzen:

In einer Automatik: Du stellst den Belichtungsmesser ein und die Kamera errechnet die dazu passenden Belichtungswerte.

Im manuellen Modus: Du stellst die Belichtungswerte selbst ein und der Belichtungsmesser zeigt an, wie hell das Foto wird.

Deine Kamera hat neben der Vollautomatik (die du bitte nie wieder benutzt!), 3 weitere Automatiken im Angebot. Im Gegensatz zur Vollautomatik bieten diese dir die Möglichkeit in die Belichtungseinstellungen einzugreifen und somit nichts dem Zufall zu überlassen.


 

Zeitautomatik (AV, A)

Die Zeitautomatik ist mein Favorit unter den Automatiken. Sie erlaubt dir, den Blenden- und ISO Wert sowie den Belichtungsmesser einzustellen. Durch die Einstellung des Belichtungsmessers auf die gewünschte Durchschnittshelligkeit errechnet die Kamera die dazugehörige Belichtungszeit. Bei dieser Automatik ist es wichtig, ein Auge darauf zu haben, dass die Belichtungszeit nicht zu lang wird. Ist die errechnete Zeit der Kamera zu lang, muss der ISO Wert erhöht werden.

Blendenautomatik (TV, T)

Die Blendenautomatik funktioniert ähnlich. In dieser Automatik stellst du allerdings die Belichtungszeit, den ISO Wert und den Belichtungsmesser ein. Die Blende wird automatisch berechnet.

Programmautomatik (P)

In der Programmautomatik stellst du den ISO Wert und den Belichtungsmesser ein. Die Kamera errechnet die passende Blende und Belichtungszeit.

Manuell (M)

Im manuellen Modus stellst du sowohl den ISO Wert, als auch die Belichtungszeit und die Blende selbst ein. Der Belichtungsmesser dient in diesem Modus nicht mehr dazu, der Kamera zu sagen, wie hell dein Bild werden soll. Er errechnet im manuellen Modus aus deinen Einstellungen und dem Lichteinfall bloß wie hell das Bild wird, damit du, wenn gewünscht, eingreifen kannst.

Der manuelle Modus ist die erste Wahl – sofern man damit umgehen kann. Bei gleichbleibenden Lichtverhältnissen macht es sich besonders in der späteren Bearbeitung der Bilder bezahlt.

In den Automatiken kann es immer mal zu leichten Helligkeitsschwankungen kommen. Im manuellen Modus kommt es sehr viel seltener vor.

 

Belichtungsmessmethoden

Der Belichtungsmesser hat 4 verschiedene Methoden, mit denen er Licht messen kann. Welche Methode die beste ist, entscheidet immer die Situation.


 

Spotmessung

Bei der Spotmessung wird das reflektierte Licht eines kleinen Motivdetails gemessen. Das bietet sich besonders in Situationen an, die viele Kontraste liefern. Auf Hochzeiten kannst du beispielsweise das Brautkleid messen und so dafür sorgen, dass es wirklich weiß aussieht und nicht grau. Die Messung erfolgt je nach Kamera entweder in der Bildmitte oder auf dem eingestellten Fokuspunkt

Selektivmessung

Die Selektivmessung ist mit der Spotmessung zu vergleichen. Die Größe des gemessenen Bereichs ist hierbei allerdings etwa 4 Mal so groß und fließt auch nur zu etwa 75% in die Gesamtmessung ein. Die Messung der Umgebung dieses Punktes, macht etwa 25% der Gesamtmessung aus. Die besten Ergebnisse liefert die Selektivmessung, wenn dein Foto keine allzu großen Kontraste aufweist.

Mittenbetont

Bei der Mittenbetonten Messung wird mit einem noch größeren Feld als bei der Spot- und Selektivmessung gemessen – es nimmt etwa die Hälfte des Bildes ein. Es ist wichtig zu beachten, dass der Belichtungsmesser die Mitte dieses Feldes mehr in die Messung einfließen lässt als die Ränder. Die Gewichtung nimmt von innen nach außen verlaufsartig ab. Diese Messmethode verwende ich kaum, da sie meiner Meinung nach in keiner Situation herausragend gute Ergebnisse liefert.

Mehrfeldmessung 

Bei dieser Messung wird das Bild in viele verschiedene Zonen unterteilt. Bei der modernen Mehrfeldmessung werden die gemessenen Werte dieser Zonen mit vom Hersteller abgespeicherten Szenarien verglichen. Dabei werden, anders als bei den anderen Methoden, zusätzlich die Farben und der Abstand zum fotografierten Objekt berücksichtigt. Gibt es eine Übereinstimmung (z.B. Person im Gegenlicht) versucht die Kamera, die Messung entsprechend anzupassen.

Man hat zwar keine genaue Kontrolle über die Mehrfeldmessung, doch mit etwas Übung liefert sie in der Regel sehr gute Ergebnisse.

 

Neben der Spotmessung ist die Mehrfeldmessung definitiv mein Favorit.

 

Die Blendenstufe 

Stell dir vor, du bist mit einer guten Freundin im Park. Du hast ihr von deiner neuen Leidenschaft für die Fotografie erzählt und sie gefragt, ob sie nicht Lust auf ein paar Portraitaufnahmen hätte.

Alles ist perfekt: Das Licht, das Wetter und du hast richtig Lust auf tolle Fotos.

Du befindest dich im manuellen Modus deiner Kamera.

Nach ein bisschen Herumprobieren liefern dir deine Einstellungen ein perfekt belichtetes Foto – nicht zu hell, nicht zu dunkel.

Aber irgendwie bist du dennoch nicht zufrieden.

Der Hintergrund könnte für deinen Geschmack doch etwas unschärfer sein. Du weißt, dass du dies über die Blende einstellst und wählst nun statt einer Blende von 4.0 eine Blende von 2.8.

Ein Testfoto später stellst du fest, dass dein Bild viel zu hell ist.

Schon wieder an den Einstellungen herumwerkeln? Och nö!

Keine Sorge! Es gibt eine bessere Lösung – und die nennt sich Blendenstufe! 

Schauen wir uns einmal die „sagenumwobene“ Blendenreihe an. Vielleicht kommt sie dir noch aus dem Kapitel über den Blendenwert bekannt vor.

 

1 | 1.4 | 2 | 2.8 | 4 | 5.6 | 8 | 11 | 16 | 22 

 

Auf den ersten Blick sehr kompliziert, ist die Blendenreihe aber sehr sehr hilfreich. Sie ist so angelegt, dass sich die Lichtmenge, die bei der Aufnahme auf den Kamerasensor fällt, mit jedem Blendenschritt halbiert oder verdoppelt. In unserem Fall bedeutet das Folgendes: Zwischen der Blende 4.0 und 2.8 liegt ein Blendenschritt. Das Bild ist durch die veränderte Einstellung doppelt so hell geworden.

 

Das praktische ist, dass sich die Blendenschritte auch auf den ISO Wert und die Belichtungszeit übertragen lassen:

Verdoppelt man die Belichtungszeit beispielsweise von 1/100 Sekunde auf 1/50 Sekunde, gelangt doppelt soviel Licht auf den Sensor.

Verkürzt man die Belichtungszeit beispielsweise von 1/50 Sekunde auf 1/100 Sekunde, gelangt nur noch halb soviel Licht auf den Sensor.

Verdoppelst du den ISO-Wert von 100 auf 200, wird das Bild doppelt so hell. Es gelangt zwar nicht mehr Licht auf den Sensor, der Sensor reagiert aber empfindlicher und lässt das Bild heller werden.

Halbierst du den ISO-Wert von 1600 auf 800, wird das Bild nur noch halb so hell.

 

Gezielt Blende, ISO und Belichtungszeit anpassen 

Um die Belichtung in unserem Beispiel zu korrigieren, müssen wir das Bild nun um einen Blendenschritt abdunkeln.

Du kannst also:

 

– Den ISO-Wert halbieren (z.B. von ISO 200 auf ISO 100)

– Die Belichtungszeit halbieren (z.B. von 1/100 auf 1/200)

– Eine Blendenstufe zurück gehen (also wieder von von 2.8 auf 4.0 – was aber in diesem Fall nicht gewünscht ist)

 

Diese „Sprünge“ entsprechen einer Blendenstufe.

Es gibt allerdings nicht nur ganze Blendenstufen.

Wenn du dir den Belichtungsmesser ansiehst, kannst du zwischen den ganzen Stufen noch zwei weitere Punkte. Das sind die Drittel-Blendenschritte.

Denn zwischen Blende 5.6 und 8 liegen in der Regel noch 6.3 und 7.1.

Zwischen 1/50 Sekunde und 1/100 Sekunde liegen noch 1/60 Sekunde und 1/80 Sekunde.

Und zwischen ISO 200 und ISO 400 liegen bei vielen Kameras (leider nicht bei allen) noch ISO 250 und ISO 320.

Du hast also immer noch Zwischenstufen, auf die du zurückgreifen kannst.

 

Schlusswort

Glückwunsch! Du hast dich durch die Grundlagen der Fotografie

gelesen und bist nun bestens vorbereitet um schon bald wunderbare Fotos zu machen, auf die du mächtig stolz sein kannst!

Natürlich geschieht nichts über Nacht. Es ist ganz normal, wenn du dir nicht alle Zusammenhänge auf Anhieb merken und auf deine Einstellungen übertragen kannst. Übung macht den Meister!
Und solltest du Fragen haben, schreib mir gerne eine Nachricht 🙂

 


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